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Martin Ruhtz
„De Längt hät Last“
Diese alte Volksweisheit erprobten rund 1000 Inlineskater am 29. des Monats August bei „Rhine-on-Skates 2009“. Als Zweitausendfüssler bewegten sie sich von Rüdesheim, in Lorch linksrheinisch übersetzend, am Rhein entlang bis Koblenz, weil erst dort eine Brücke den Wechsel auf die rechte Rheinseite zuließ, um zurück nach Rüdesheim zu rollen. Der Weg führte durch rund 30 Orte und Teile der Stadt Koblenz. Die Landschaft war geziert durch etwa 20 Burgen und Burgruinen und so markante Objekte wie die Loreley, den Mäuseturm im Rhein bei Bingen und das Niederwalddenkmal. Es war Kino verkehrt herum, nicht die Objekte und Landschaften mit schroffen Felsen, Weinhängen und bewaldeten Bergen zogen als Film am Zuschauer vorbei, sondern umgekehrt, im Schnelldurchlauf von 11 Stunden rollten die Zuschauer an der Kulisse vorbei. Die Organisation des Unternehmens „Rhine-on-Skates“ war hervorragend. Die Leute um Friedel Henzler hatten an alles gedacht bei dieser längsten Inline-Tour Deutschlands:
Die Zahl der skatenden Ordner war fast nicht zu erfassen. Sie wirkten umsichtig mit der Polizei zusammen, sperrten Nebenstraßen ab, sicherten Baustellen, warnten vor Unebenheiten und nahmen sich mitfühlend schwächeren Skatern an.
Die Polizei mit zwei Blaulichtwagen und fünf Motorrädern im Einsatz, leitete den skatenden Konvoi sicher über die Straßen und durch die Ortschaften. Sie sperrten den rollenden Verkehr, um dann Ordner als Posten aufzustellen. Stoppten den Zweitausendfüssler zum Verkehrshalt, um die aufgestauten Fahrzeuge vorbei fahren zu lassen. Kaum erboste Autofahrer gab es, wegen der Staus, die meisten wie auch dieBewohner an der Strecke spendeten Beifall und anerkennende Worte.
Ein großer Trupp skatender Gesundheitshelfer begleitete die Skatingschar, sich sofort um jede strauchelnde Skaterin kümmernd und die gefallenen Jungs wieder auf die Beine helfend.
Zu jeder Pause, drei waren es, standen die Transporter mit Mineralwasser und Bananen schon versorgungsbereit, wenn die durstigen Sportlerinnen und Sportler den Rastplatz erreichten.
Der Besenwagen, bestehend aus zwei Gliederbussen, sammelte die erschlafften Skater am Straßenrand auf, um sie nach einer Erholungspause wieder zu Weiterrollen auf die Straße zu setzen.
Die ordnende Hand, unsichtbar wirkend, hatte alles im Griff, den gesamten Ablauf vom Start an, der mit 15 Minuten Verspätung erfolgte, wegen der zahlreichen Nachmelder und Zuspätkommer,
mit der Rheinübersetzung per Fähre in Lorch, die zweimal fahren musste wegen der vielen Leute, denn linksrheinisch ging es bis Koblenz, die Pausen zu Getränkenachfüllung und Verschnaufung, aber auch zur Fuß- und Technikpflege, wenn man unwissend vermutete der Zeitplan geriete in Verzug, wurde gegengesteuert, das geplante Tempo von 20 km/h durch die anführenden Ordner ein wenig erhöht, um 19:50 Uhr, also 10 Minuten vor der Planzeit, rollten die ersten Skater auf den Zielplatz in Rüdesheim.
Hier großes Hallo durch wartende Angehörige und Zuschauer, ein schneller Erfrischungstrunk, ein kleiner Imbiss, Musik zur Begrüßung.
Es war geschafft, 135 km skaten auf guten Straßen lagen hinter den Skaterinnen und Skater. Erleichterung und große Freude.
Immer ein Auge auf die Fahrbahn hatten wir gerichtet, die besten Belag aufwies, der uns Nordlichter neidisch machte, wegen der ruppligen Straßen in Damp, Wedel und Flensburg. Das andere Auge hatte den Rhein mit seiner wunderschönen Landschaft im Blick. Man sollte sich aber nicht fest gucken, denn schon Heinrich Heine warnte:
Den Schiffer im kleinen Schiffe
Er schaut nicht die Felsenriffe,
Ich glaube, die Wellen verschlingen
Und das hat mit ihrem Singen
Ergreift es mit wildem Weh;
Er schaut nur hinauf auf die Höh’
Am Ende noch Fischer und Kahn;
Die Loreley getan.“
Dieser Gefahr wollten wir uns nicht aussetzen, deshalb Aufmerksamkeit.
Mit großen Zweifeln bin ich dieses Vorhaben angegangen, würden Körper, Technik und Geist die 135 km durchhalten? Wie vorbereiten, wie trainieren? Nichts wollte ich dem Zufall überlassen. Regelmäßig habe ich rund 35 km auf Rollen absolviert, um zu merken es rollt recht gut. Drei unterschiedliche Skates wurden erprobt, um mich für die längerschaftigen Salomon mit 84-ger Rollen zu entscheiden. Der abschließende Test war eine Radtour nach Berlin, um nebenbei beim WM-Marathon Zuschauer zu sein. Die 110 km auf dem Rad in Alleinfahrt auch bei Wind wurden mit Bravour bestanden. Ich war gewiss es ist zu schaffen – und es wurde geschafft.
Positiv an der Tour: Kein Blick auf die Uhr, keine Wettkampfhektik, keine Zielzeit im Sinn. Immer formierten sich Züge, denen man sich anschloss, mal hohes Tempo fahrend, mal erholend trödelnd. Meine Regel, möglichst im Vorderfeld des Konvois fahren, dann sind die Erholungspausen länger, können die Füße ausgiebiger gepflegt werden, denn die angesetzte Rastzeit gilt immer für die Spitze.
Ein tolles Erlebnis „Rhine-on-Sktes“, das mit einem großen Feuerwerk über dem Rhein ausklang. Empfehlenswert!