Claudia Tabatabei: Mein schönstes Skate-Erlebnis 2010 Die Rostocker-Marathon-Nacht

Die Rostocker-Marathon-Nacht

Von Claudia T. im November 2010

Vor einem Jahr hatte ich Euch im Internet entdeckt. Ich mochte die orangen Trikots. Schnell eine mail geschrieben und angefragt, ob ich mitmachen kann. Beim Training staunte ich nicht schlecht, als Ihr die Skates mit den großen Rollen ausgepackt habt und angefangen seid, in einer für mich Wahnsinnsgeschwindigkeit, in der Halle Eure Runden zu drehen, zu wedeln, und auf „Eiern zu laufen“. Von Eurem Fahrtwind wurde mir ganz schwindelig und kalt. Nach dem Training wollte ich nur noch nach hause. Aber Alex, der Trainer, fragte mich „Kommst Du denn auch wieder? Ich mache einen Speedy aus Dir!“
So kam es denn, dass ich im Skate-Team-Lübeck nicht nur ein tolles freundliches Team, sondern auch eine sehr gute Freundin, meinen „private-coach“ Bente fand. Sie wohnt zufällig in meinem Nachbardorf . Wir bildeten eine Fahrgemeinschaft und fuhren im Sommer viele schöne Touren. Meine neue Freundin organisierte für uns auch immer die Rennen. „ Das schaffst Du schon“ sagte sie und, ich meldete mich tapfer für meine ersten Halbmarathons an. Während meine Teamkollegen um die ersten Plätze kämpften, kämpfte ich gegen den Besenwagen.
Und dann kam die Rostocker Marathon Nacht. Meinen Kopf noch voller Zahlen von meiner Steuererklärung, traf ich Bente und Alex in Rostock. Eine Fähre holte uns Skater im Hafen ab. Es war ein warmer Sommertag, Bente und ich spazierten barfuss übers Deck. Kreischende Möwen am blauen Himmel begleiteten die Fähre bis zu ihrem Ziel: den Warnowtunnel! Kaum angekommen, wuselten die Inliner- und Marathon- sowie Staffelläufern durcheinander. Schon fiel der Startschuss. Wir Skater sausten in den dunklen kalten Tunnel hinein. Am anderen Ende fuhren wir bergauf auf die Autobahnbrücke und ab ging es in den IGA-Park. Schon bald traf ich Martin, und wir drehten unsere Runden über Fußwege, Fliesen und Pflastersteine bis der Tunnel wieder geöffnet wurde. Auf der Autobahnbrücke gab ich dann „Gas“, nahm meine Skiabfahrtsposition ein und rauschte in Schussfahrt in die Dunkelheit hinab. Ich fuhr links und ließ viele Skater rechts neben mir. Am Ziel stand Bente. Gemeinsam machten wir uns auf den Weg zum Rostocker Marktplatz. Ein mediteranes Klima umgab uns, fast so, als wären wir in Italien. Es war mitten in der Nacht und auf dem Marktplatz herrschte Hochbetrieb, denn dort war nicht nur Siegerehrung sondern auch Zieleinlauf für die Läufer. Auf der Bühne spielte eine Band, an Biertischen saßen unsere Fans. Die Stimmung war super. Das Skate-Team-Lübeck, vertreten durch meine Helden Bente und Alex, hatten das Stundenrennen gewonnen. Sie wussten es schon, zogen ihre Trikots an und drückten mir ihre Klamotten, Fotoapparate etc. in die Hand. Endlich kam der Aufruf zur Siegerehrung! - Schnell gab ich Alex die Klamotten und Fotoapparate zurück und erklomm selbst das Treppchen. Ich hatte in der Rostocker-Marathon-Nacht den 2. Platz belegt und Carsten Schölermann, der beim Hella Halbmarathon in Hamburg Ulla umarmte, umarmte jetzt mich. Auf dem Marktplatz klatschten unsere Fans. Es war ein unglaubliches Gefühl! Ich konnte es gar nicht fassen. Adrenalinglücklich war ich und tagelang noch berauscht.
Wieder zu hause stellte ich dann erschrocken fest, dass ich in der Bewertung eine Runde mehr angeschrieben bekommen hatte als Martin. Beruhigenderweise hätte aber auch die korrekte Rundenzahl für mich zu einem Treppchenplatz gereicht. Die dann zweitplazierte Skaterin fuhr nämlich ohne Helm, wie mir Bente berichtete, und hätte nach den Reglement disqualifiziert werden müssen. Ich war eben zur richtigen Zeit am richtigen Ort!
Das i-Tüffelchen kam dann noch bei der Jahreshauptversammlung im November, bei der ich für diesen 2. Platz Eure Ehrung erhielt. Vielen Dank Skate-Team-Lübeck, ich starte voller Elan ins neue Jahr mit Euch, wie immer im blauen Trikot!