Von Präsidentenrollen, Caprifischern und Lübecker Festspielen auf Nordstrand

 

Da war es also wieder soweit. Nordstrand, die überraschend andere Insel

lud zum Marathon und die norddeutsche Skatergemeinde machte sich auf den

Weg. Wie jedes Jahr wahrscheinlich mit skeptischem Blick ins Wetter,

denn Nordstrand ist diesbezüglich immer für Überraschungen gut. Hat ja

auch wieder geklappt. Jeder hatte den Sturm vom Vorjahr im Kopf und

während es anderswo im Norden regnete, strahlte die Sonne dort aus

blauem Himmel und selbst der Wind war fast schon erträglich.

Am Samstag fuhren wir früh um 8 Uhr aus Schwerin los und es schüttete,

wie aus Eimern.

Unverbesserlicher Optimist, wie ich nun mal bin, hatte ich einen

Picknickkorb gepackt und mein Beschluss stand fest: Gefrühstückt wird

erst, wenn wir irgendwo ein schattiges Plätzchen finden. Angesichts der

Tatsache, dass es in Bad Bramstedt immer noch nicht besser war, hatte

das wohl eher mit Übermut, als mit Optimismus zu tun, aber auch davon

habe ich ja genug. Siehe da, hinter Hanerau-Hademarschen schien die

Sonne und so wurde es doch ein sonniges Frühstück, mit Aussicht auf

mehr, was sich dann ja auch eindrucksvoll bestätigte.

Auf Nordstrand angekommen, kurz eingecheckt und ab nach Herrendeich zur

Anmeldung.

Auf dem Parkplatz mit großem Hallo das Begrüßungsprozedere mit den

üblichen Verdächtigen. Es ist immer wieder schön, so vielen

Verrückten auf engstem Raum zu begegnen. Das gelingt sonst nur in

geschlossenen Anstalten. Hier liefen sie frei herum und das Beste ist,

ich bin einer von ihnen!!!;-)).

Ich durfte mich auch gleich mit den besonderen Aussichten auf das

Teamzeitfahren für das Masters II vertraut machen, nur vier Mann am

Start und Klaus-Dieter mit leichtem Handicap, also war knüppeln

angesagt. Haben wir zu dritt auch hingekriegt und mein persönliches

Minimalziel, nicht letzte zu werden, hat funktioniert. Bei strammem Wind

ein gutes Stück Arbeit zu dritt. Unsere Mädels können davon sicher auch

ein Lied singen, besonders Bente. Halb zog man sie, halb sank sie hin.

Toll geackert. Das Teamzeitfahren war ein voller Erfolg für das STL.

Unser Open Team landete auf Platz 1, die Damen erkämpften einen

achtbaren 3. Platz und Masters I wurden 2., trotz abhanden gekommener

Präsidentenrolle. Wer da denkt, eine *Präsidentenrolle" wäre eine

landestypische, kulinarische Spezialität, wie anderswo die

*Schillerlocke" oder gar die Schriftrolle mit den gemeißelten

Grundsätzen des Vereins, weit gefehlt. Unser Präsi hatte das Pech des

Rollenverlustes. Wie war das doch gleich? Bei Reifenwechsel nach 20 km

Muttern nachziehen!!!

Schön war auf jeden Fall die unglaublich gute Stimmung nach dem Rennen,

mit Pasta und Kaffee und Kuchen und fröhlichen Gesprächen.

Am Abend dann Auflösung und Fahrt in die Unterkünfte. Für uns gehörte

ein ausgiebiger Deichspaziergang dazu mit anschließender Einkehr in den

*Halligblick". Nach kurzer Zeit gesellte sich Klaus-Dieter zu uns,

dem der Slogan *Schnuffeln unter Reet" wohl so gut gefallen hat, dass

er dort Quartier genommen hatte.

Nordstrander lieben abartige Kontraste. Während ich mir einen

*Pharisäer" genehmigte, genoss Barbara mit sichtlichem Vergnügen

eine *Tote Tante". Für nicht eingeweihte, das ist eine heiße

Schokolade mit Weinbrand und Sahne. Währenddessen ging die Sonne

eindrucksvoll unter und dazu gab es in voller Lautstärke die

Caprifischer auf die Ohren: *Wenn auf Capri die rote Sonne im Meer

versinkt........" Wir hatten jedenfalls viel Spaß.

Nach einer kurzen Nacht, je nach Quartier mit mehr oder weniger gutem

Schlaf- die Betten in der Jugendherberge haben wohl ein wenig geknarrt?-

fanden sich alle wieder am Herrendeich ein. Die Sonne strahlte noch

schöner, der Wind war erträglich und nachdem die ortansässige

Feuerwehr schnell noch einen Brand gelöscht hatte und wieder für die

Absperrungen einsatzbereit war, ging es mit leichter Verspätung auf in

den 2. Marathon des Wochenendes.

Der endete für das Team genauso erfolgreich, wie schon am Tag zuvor.

Gabi erste, Ulla knapp vierte, Basti erster, Jörg dritter

und Dominik

vierter, vordere Treppchenplätze in den Altersklassen von Basti,

Dominik, Gabi, Ulla, Jörg und Robert. Ganz schön erfolgreich unser

Verein.

Die übrigen Vereinsmitglieder glänzten mal wieder mit einer

geschlossenen Mannschaftsleistung. Peter und ich wollten es im

Alleingang versuchen und während Peter es schaffte, musste ich am Ende

dem kräftezehrenden Vortag Tribut zollen und wurde 300 m vor dem Ziel

von einem Zug orangefarbener, schadenfroh grinsender Kerle überrollt.

Als erstes sah ich das dreckige Grinsen von Christoph, ich hätte es

genauso gemacht. Ich fühlte mich, wie ein Ausreißer bei der Tour de

France, der kurz vor dem Ziel eingefangen wird. Watn Scheißgefühl. Wer

nicht hören will, muss leiden. Spotttechnisch gesehen bekam ich von

unserem Präsidenten dann natürlich auch die Retourkutsche für meine

Lästerei des Vortages wegen vergessenem Mutternachziehen. Da muss ich

nun durch.

Schöner Abschluss war der gut organisierte Nachmittag mit Essen und

Trinken, leckerem Kuchen der Landfrauen und einer insgesamt sehr guten

Organisation. Damit also auch noch mal ein dickes Dankeschön an Hajo und

sein Team und alle Nordstrander, die mitgeholfen haben.

Liebe Grüße und jetzt schon scharrend mit den Hufen wegen Damp.

Ich freu mich auf Euch

Hans